// Schritt für Schritt zum perfekten Eventfoto

Zur Fotografie bin ich wie viele andere aus meinem Kollegenkreis gekommen, als ich angefangen habe, Events zu fotografieren. 

In diesem Artikel werde ich euch in ein paar einfachen Schritten erklären, wie man zu besseren Ergebnissen kommt. 

Die erste Frage die sich viele stellen ist oft, welche Kamera sie sich holen sollen. Es muss nicht sofort eine 5d mk3 oder Nikon D4 sein, um gute Ergebnisse zu erzielen. Viel wichtiger ist, wie man die Kamera einstellt und was man aus den Bildern in der Nachbearbeitung noch rausholt.

Also völlig egal ob es eine Sony, Canon, Nikon, Olympus oder Pentax ist. Sie sollte manuell einstellbar sein. Das heißt: Finger weg vom Automatik-Modus. Selbst die Programmautomatiken sind hier nicht zu empfehlen. Jeder Fotograf will die volle Kontrolle über sein Bild. Deswegen Modus M.

Die erste Frage, die man sich stellen sollte, wenn man eine Location betritt, ist, welchen Bildstil will ich erreichen. Ist es eine eher dunkle Underground-Location oder eine schön ausgeleuchtete Megadisco? Will ich schöne bunte Bilder oder dunkle Bilder, auf denen die abgebildeten Personen isoliert werden? Sollen die Gäste für mich Posen einnehmen oder will ich die Feier so fotografieren, dass die Stimmung gut rüber kommt?

Diese Entscheidung hat direkten Einfluss auf meine Einstellungen. Hierzu sollte man sich natürlich mit seiner Kamera auskennen und die Grundprinzipien des Belichtungsdreiecks kennen. Blende, Belichtungszeit und ISO (und auch die Blitzintensität) spielen eine große Rolle und man sollte diese Einstellungen im Schlaf beherrschen. Wo liegen meine Knöpfe und Rädchen auf der Kamera? Welche dieser Knöpfe muss ich drücken, um was zu verändern? Diese Fragen sollte man sich nicht stellen, während man am Fotografieren ist.

Ich fotografiere jeden Samstag im Perkins Park in Stuttgart für die Veranstaltungsreihe Supreme. Hier haben wir einen besonderen Bildstil entwickelt, der charakteristisch für die Veranstalltung sein soll und ihr ein eigenes Gesicht geben soll. 

emotionale Fotos

Typisch für diese Bilder sind die geringe Tiefenschärfe, die Überbelichtung der Haut sowie das spontane Fotografieren der Gäste. Es ist nichts gestellt und das macht die Bilder authentisch. 

// Wie erreicht man diese Wirkung? 

Ich fotografiere mit einer 5d mk3 und einem Sigma 35mm 1.4 und nutze die Blende von 1.4 voll aus. Es ist zwar extrem schwer, dabei auf etwas scharf zu stellen, die Bilder müssen ja aber auch nicht alle scharf sein.  

// Wozu ist also die Blende gut? 

Jedes Objektiv hat eine Blende. Festbrennweiten, wie ich sie nutze, gehen oft bis 1.4 oder 1.2 runter, Zoomobjektive zur Zeit maximal bis auf 2.8 runter. Je geringer die Zahl, desto größer die Blende. Was bringt mir eine große Blende? Man bekommt ganz einfach mehr Licht auf den Sensor. Das ist wichtig, um farbenfrohe Bilder zu erlangen.

// Was hat es aber mit dieser Tiefenschärfe auf sich?

Die Tiefenschärfe ist abhängig von Blendenöffnung, Sensorgröße, Brennweite und Abstand zum Motiv. Über diese vier Faktoren lässt sich der Bereich, der hinter und vor meines Fokuspunktes ist, genau eingrenzen. Dazu gibt es komplizierte Formeln. Am besten besorgt man sich eine der zahllosen Apps fürs Smartphone. Eine super Seite zum durchstöbern von Fotografieapps ist appguide.de. Spielt ein bisschen mit den Parametern rum und schnell bekommt ihr ein Gefühl dafür, was es mit der Tiefenschärfe auf sich hat.

// Wann benutze ich jetzt eine große Blende und wann eine kleine Blende? 

Will ich eine Person vom Hintergrund isolieren, nehme ich eine große Blende. Somit bekomme ich einen schönen, verschwommenen Hintergrund. Bei guten Objektiven sieht dieses Bokeh auch noch besonders gut aus. Hier ein Beispiel:

geringe Tiefenschärfe

Eine kleinere Blende hingegen bildet den Hintergrund deutlicher ab. 

große Tiefenschärfe

// Wann nutzt man nun eine kleinere Blende?

Wenn man Gruppen fotografiert, zum Beispiel, ist es sehr schwer, dass alle Personen in der selben Ebene stehen. Da ist es einfacher, den Bereich, der scharf ist, zu vergrößern, indem eine kleinere Blende benutzt wird (3.5 bis 4.0). 

// Werden die Bilder dann nicht dunkler?

Bei kleinerer Blende kommt weniger Licht auf den Sensor und das Bild wird tatsächlich im Hintergrund dunkler. Der Vordergrund wird vom Blitz aufgehellt und im TTl-Modus auch bei kleinerer Blende korrekt belichtet. Um dem entgegenzuwirken müssen wir entweder mit der Verschlusszeit oder mit dem ISO-Wert entgegenwirken. Beide Parameter haben unterschiedliche Auswirkungen auf das fertige Bild. Der ISO-Wert beeinflusst die Empfindlichkeit des Sensors. Geht man von ISO 800 auf ISO 1600 wird das Bild doppelt so hell wie vorher. Das wäre z.B nötig wenn ich mit der Blende um eine ganze stufe nach Oben gehe. Also von f2.8 auf f4. Hierzu sollte man sich einmal die Blendenreihen anschauen und verinnnerlichen.

// Welche Auswirkungen hat das verändern des ISOs?

Genauso wie das Verändern der Blende hat auch der ISO direkte Auswirkungen auf das Bild. Wir wissen schon, dass mit erhöhen des Wertes das Bild heller wird. Jedoch erhöht sich gleichzeitig auch das Rauschen.  

// Ist Rauschen schlimm?

Immer wieder hört man, man soll mit dem ISO ja nicht zu hoch gehen sonst wird das Bild zu verrauscht und sieht schlecht aus. Alles Blödsinn! Moderne Kameras mit aps-c Sensor können locker bis auf ISO 3200 gehen ohne dass das Bild zu sehr an Details und Qualität verliert. Bei Vollformatkameras kann man sogar weit drüber gehen. Ich gehe mit meiner 5d mk3 manchmal sogar bis auf ISO 10000 und kann mit den Ergebnissen noch sehr gut leben. 

Außerdem hat ein die Ausgabegröße des Bildes einen erheblichen Anteil an der Bildqualität. Die meisten Partyfotos werden in einer geringen Auflösung hochgeladen. Somit fällt das Rauschen auch nicht mehr wirklich auf. Und wenn man dann auch noch in RAW fotografiert (was man definitiv immer machen sollte), entrauscht man einfach in Lightroom oder Photoshop.  

// Was hat es mit der Verschlusszeit auf sich?

Wie der Name schon sagt, steuert man damit die Zeit, die das Licht auf den Sensor einwirkt. Ähnlich wie bei der Blende steuert man damit also die Menge an Licht, die mein Bild belichtet. Hierbei nicht über die Menge sondern über die Zeit. Je länger meine Belichtungszeit, desto mehr Atmosphäre kann man einfangen. Laser und Lichter die im Hintergrund wirken mehr und mehr auf das Bild ein. 

Gute Werte für den Anfang hier sind Belichtungszeiten von 1/13 - 1/20. jedoch kann man auch kürzer belichten, oder auch um einiges länger. Ich bewege mich meistens zwischen 1/40 und 1/50, habe aber auch schon mal mit 1 sek gearbeitet.

// 1 sek? Da verwackelt doch alles!

Das wäre anzunehmen. Jedoch haben wir bei Partyfotos einen kleinen Helfer der uns dieses Problem aus der Welt schafft. Der Blitz! Dieser hat eine Abbrenzeit, die je nach Modell irgendwo jenseits von 1/160 liegt.

// Was heißt das? 

Das Motiv, also die Personen die abgebildet werden sollen, werden durch diesen Blitz eingefroren. Die Personen bleiben scharf und der Hintergrund wirkt weiterhin auf unseren Sensor ein. Wir bekommen ein korrekt belichteten und scharfen Vordergrund und gleichzeitig einen schönen, bunten Hintergrund.

kein abgesoffener Hintergrund

// Wie stellt ich meinen Blitz richtig ein?

Es gibt verschiedene Blitze. Die billigen von z.B Nissin können leider nur manuell blitzen. Das heißt ich muss den Blitz selber einstellen. Dabei ist zu beachten. Was sind meine Kameraeinstellungen? Belichtungszeit, Blend und ISO haben direkt Einfluss auf die Belichtung durch den Blitz. Aber auch der Abstand zum Motiv muss immer mit einberechnet werden. Beim manuellen Blitzen ist viel Übung und Ausprobieren notwendig.

Eine einfachere Methode ist es, ein bisschen mehr Geld auszugeben und sich einen originalen Blitz oder einen von der Firma Metz  zu holen. Diese Blitze unterstützen die Kamerainternen TTL-Algorithmen. Somit ist es viel einfacher die Belichtung einzustellen. Man kann die Blitze direkt an der Kamera einstellen über die Blitzkompensation. Hier kann ich Werte von -3 bis +3 einstellen. Was man dann nur noch beachten muss ist mit welchem Belichtungsmodus ich fotografiere. Spotmessung, Mehrfeldmessung oder Integralmessung. Jede Kamera hat da ihre verschiedensten Möglichkeiten. Hierzu ist es Ratsam einmal ins Handbuch zu schauen um für sich die optimale Einstellung zu finden.

// Trotz der ganzen Tipps. Was mach ich wenn es mal daneben gegangen ist? 

Die Antwort ist simpel! Shoot RAW! Das RAW-Format jeder Kamera speichert so viel mehr Informationen als eine einfache jpg das man dabei in der Nachbearbeitung einfach alle Möglichkeiten hat, ein Bild zu retten. Egal ob Belichtung, Tiefen, Lichter, Schärfe oder Rauschen. Alles lässt sich zum großen Teil in EDV-Programmen wie Lightroom, Photoshop oder Gimp korrigieren.  Hierzu kann man sich auf Youtube unzählige Videos anschauen die einem zeigen wie die ganzen Programme funktionieren oder man kann an verschiedenen Workshops teilnehmen. Schwer zu erlernen ist es nicht :-)

Ich hoffe dieser Beitrag kann einigen Neulingen in der Eventfotografie weiterhelfen bessere Bilder zu schießen. Letzten Endes wollen wir doch alle ein Event aufregend darstellen und keine trostlosen, langweiligen Bilder mehr im Internet finden.